Wertvolles altes Papier

Oktober 18th, 2016 | No Comments | Posted in Aus aller Welt, Featured Articles, Kunst und Kultur, News

„Wir müssen das Erbe bewahren und an die kommenden Generationen weitergeben“ sagte die Kulturministerin von Mali Ramatoulaye Diallo bei der Veranstaltung „Die Manuskripte von Timbuktu“ in der Diplomatischen Akademie in Wien am 17.10.2016. Die 300.000 jahrhundertealten Manuskripte werden als das Gedächtnis Afrikas bezeichnet und sind ein Beweis dafür, dass Afrika sehr wohl auf eine geschriebene Kultur verweisen kann. Eva Nowotny, Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission hält die jahrhundertealten beschriebenen Blätter für „einen Schatz unermesslicher Werte.“ Die Veranstaltung wurde von der UNESCO und dem VIDC organisiert.
Die historischen Handschriften sind von unermesslichem Wert

und gehören seit 1988 zum UNESCO Weltkulturerbe. Sie beinhalten neben Koran-Auslegungen Texte über Staatsführung und Menschenrechte, über Astronomie, Medizin und Umwelt, Familienrecht, Wissenschaft und Kunst,  Linguistik, Mathematik, Philosophie, Literatur, Korruption, Handel, religiöse Konflikte und deren Bereinigung. Sie sind ein Beleg für die intellektuelle Aktivität der Westsahara zu einer Zeit als in Europa tiefstes Mittelalter herrschte.

Timbuktu, geistiges Zentrum islamischer Kunst und Wissenschaft,

war im 12. Jahrhundert eine große Handelsstadt, die im 14.Jahrhundert ihre Blütezeit erlebte. Ab dem fünfzehnten Jahrhundert wurde Timbuktu auch intellektuelles Zentrum der islamischen Kultur und Wissenschaft. Gelehrt_innen aus anderen Regionen zogen in die Wüstenstadt und brachten ihre eigenen Bibliotheken mit.

Die geheimen Papiere

Jahrhundertelang wurden die Manuskripte von Familien zuerst vor den Kolonisatoren und dann vor den Missionaren versteckt, u.a. auch in die Erde eingegraben. Erst langsam tauchten einzelne Blätter und Hefte wieder auf. Mit der Demokratie in Mali, 1991, entstand auch ein Verband zur Rettung der Manuskripte.

Achtung Zerstörung!

Gefahr drohte diesem Schatz als die Dschihadisten die Macht im Norden von Mali übernommen hatten. Ahmad Al Faqi Al Mahdi aus Mali, Sittenwächter der Islamistengruppe Andar Dine ordnete im Sommer 2012 die Zerstörung der Unesco Weltkulturerbestätten in der Stadt Timbuktu an. Auch einige wenige der wertvollen Manuskripte wurden von den Terroristen verbrannt, der überwiegende Teil konnte aber gerettet werden- dank der Initiative des Direktors der Bibliothek „Mamma Haidara“ in Timbuktu. Mahdi war nach der Vertreibung seiner Miliz aus Timbuktu nach Niger geflüchtet. Dort wurde Mahdi 2014 von französischen Truppen festgenommen und im September 2016 vom Internationalen Strafgerichtshof zu 9 Jahren Haft verurteilt. Erstmals hat das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag einen Angeklagten wegen Zerstörung von Kulturgütern verurteilt und damit bestätigt, dass die Zerstörung von Kulturerbe ein krimineller Akt ist.

Die Rettung

Die Rettung der Manuskripte ist Abdel Kader Haidara zu verdanken. Der Bibliotheksdirektor schaffte es die Manuskripte, die in der Bibliothek lagerten zunächst einmal zu jenen Familien zurückzubringen wo sie vor Errichtung der Bibliothek waren. Dem Leiter der „Mamma Haidara“-Bibliothek und zahlreichen Helfer_innen gelang es, knapp 300.000 Manuskripte aus Timbuktu zu schmuggeln. Sie wurden in Blechkisten verpackt und Monate hindurch mit Booten, Lastwagen und Autos nach Bamako, in die rund 1.000 Kilometer entfernte Hauptstadt Malis, transportiert. Mit Hilfe von Sponsoren begann man dort mit der Inventarisierung und Erhaltung der Timbuktu Manuskripte.

Wertvolles altes Papier

Der erste Schritt besteht darin, das Original zu sichern, zu erhalten, erklärte Eva Brozowsky, Hamburger Diplomrestauratorin zuständig für das Projekt zur Rettung der Manuskripte von Timbuktu. Die meisten Manuskripte bestehen nicht aus Pergament sondern aus Papier, das aus Europa kam. Es sind zumeist lose Blätter, die in Umschlägen aus Leder oder Pappe aufbewahrt wurden. 60% befinden sich in einem stabilen Zustand, 20% sind gerade noch lesbar und 20% weisen sehr starke Schäden auf u.a. viele Löcher durch Insekten und Nagetiere.
In Bamako soll ein Archivgebäude entstehen, um die Manuskripte fachgerecht unterzubringen, zu katalogisieren und zu digitalisieren. Doch bevor die Manuskripte digitalisiert werden können, müssen sie zunächst restauriert werden.Unterstützt wird diese Arbeit vom deutschen Auswärtigen Amt, der Universität Hamburg und der Gerda Henkel Stiftung.

Die Manuskripte von Timbuktu sind vom 18.-26. Oktober in der Nationalbibliothek in Wien zu sehen.

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