Gesund älter werden

September 21st, 2016 | No Comments | Posted in Featured Articles, Ideen, News, Wissenschaft und Forschung

Möglichkeiten und Grenzen von Gesundheitsförderung und Prävention für ältere Menschen” unter diesem Titel fand am 20. September 2016 in St. Pölten, Niederösterreich, ein Symposium statt. Veranstalter waren die Österreichische Plattform für Interdisziplinäre Altersfragen, ÖPIA und die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse, NÖGKK. Warum sich die NÖGKK für dieses Thema interessiert?  “Weil wir in Österreich 21 Jahre durch Krankheit verlieren.” Das muss nicht sein, daher setzt man bei der NÖGKK auf Prävention, damit die Menschen gesund und mobil älter werden können.

“Macht es Sinn den älteren Menschen noch etwas Zusätzliches zu bieten?”

“Ja.”

Stargast war  Univ. Prof. Andreas Kruse von der Universität Heidelberg, d e r Gerontologe Deutschlands:

“Alter ist ein über die gesamte Lebensphase sich erstreckender Prozess.”

Andreas Kruse sprach vor allem über das hohe Lebensalter, 80+, ein Abschnitt, in dem die biologische Kontrolle zurückgeht und die Verletzlichkeit, Vulnerabilität, größer wird. Es gibt aber eine Phase vor dieser Verletzlichkeit und in dieser Phase kann viel getan werden, um diese Verletzlichkeit nicht zu stark aufkommen zu lassen.

Die Frage ist, wie können wir Älteren uns eine möglichst große Selbstverantwortung bewahren:

Wichtig sind:

“Begriff der Mitte.

Selbstgestaltung des Lebens.

Intensive Reflexion des älteren Menschen mit sich selbst.”

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Was ist Gesundheit?

These des deutschen Philosophen  Hans Georg Gadamer: solange wir gesund sind, spüren wir den Körper nicht, er ist selbstverständlich vorhanden. Wir gehen davon aus, dass dieser Körper immer so bleiben wird. Es ist wichtig herauszufinden, was für uns selbst Gesundheit bedeutet.

These des  jüdischen Arztes und Philosophen  Maimonides:

Gesundheit hat mit der Mitte zu tun, nicht zuviel und nicht zu wenig.

Körper, Seele, Geist nicht über- aber auch nicht unterfordern.

Andreas Kruse betont daher, wie wichtig es ist, in sich selbst hineinzugehen, in sich selbst hineinzuhorchen, immer wieder über sich nachzudenken, um diese Mitte zu finden. Gesundheit ist nicht einfach verfügbar, sie ist auch Glück.

Wichtige Komponenten für das hohe Alter:

Kohärenz

Menschen sind in der Lage, die Welt und sich selbst als stimmig zu betrachten und sie meinen, dass es sich lohnt, sich mit den Zuständen der Welt auseinanderzusetzen.

Resilienz

Menschen entwickeln in bestimmten widrigen Situationen Widerstandsfähigkeit.

Bildung

ist d i e entscheidende Komponente und daher geht es um Bildungsgerechtigkeit, die auch mit Verteilungsgerechtigkeit zu tun hat. Untere Bildungsschichten haben eine um 10 Jahre höhere Sterberate.

WIR BRAUCHEN EINE ANDERE SORGEKULTUR

betonte bei der Tagung Univ. Prof. Franz Kolland. Beim Prozess des Älterwerdens steht die

AUTONOMIE

im Vordergrund, aber gerade im hohen Alter kann diese Autonomie nicht mehr gegeben sein und deswegen sollten die defizitären Elemente des Alters nicht ausgeblendet werden.

Seine Aussage: Wissen ist eine notwendige aber keineswegs d i e Lösung für Gesundheitskompetenz. Im Feld von Krankheit und Gesundheit gibt es keine Sicherheit, mit steigendem Alter erhöht sich die Unsicherheit.

Er unterscheidet zwischen

trägem Wissen: ich höre, lese, sehe alle Informationen, mache aber nachher so weiter wie bisher und

aktivem Wissen: ich setze das Wissen in meinem Alltag um.

Die Wirkung der Gesundheitskompetenz ist daher umstritten und sie geht ins Leere, wenn die Menschen zwar viel wissen, aber trotzdem gesundheitsschädigend handeln.

Gesundheitskompetenz braucht den Austausch mit Anderen.

Ein paar interessante Zahlen über Ältere zusammengestellt von Dr. Georg Ruppe, ÖPIA:

Nur 11% der über 80-Jährigen leben in Pflegeheimen.

75% der 80-85 Jährigen haben ein Mobiltelefon.

Nur 30% der 80-85 Jährigen brauchen Unterstützung im Alltag.

75% achten auf Gesundheit.

Nur 12% fühlen sich häufig einsam.

INITIATIVEN in Niederösterreich, die bei dem Symposium “Gesund älter werden” präsentiert wurden.

SturzMobil- Gesund und Sicher durch den Alltag:

ein Praxisprojekt der NÖGKK, das in Gemeinden Sturzprophylaxe Kurse anbietet. Ziel: Sturzrisiko und die Häufigkeit von Stürzen älterer Menschen zu reduzieren, das Bewegungsbewusstsein zu schärfen und die Angst vor Stürzen abzubauen, denn jede 3. Person über 65 stürzt 1x/Jahr. 2015 gab es 24 Veranstaltungen in Niederösterreich.

0664 88718777 oder michael.wild@argef.at

MahlZeit- Mittagstische:

Ein Angebot der Waldviertler Kernland- Gemeinden, das sich vor allem an ältere und alleinstehende Personen richtet. Mittagessen in Gemeinschaft in mehreren Gasthäusern.

www.waldviertler-kernland.at oder 0676/8700 29017 Volkshilfe oder Hilfswerk Ottenschlag 02872/ 6160 oder www.gesunde-nachbarschaft.at

Die gesunde Kocherei g50:

Kochen, essen, lachen, plaudern für 50+ Menschen. www.g50.at

Green care- wo Menschen aufblühen:

Bauernhöfe produzieren nicht nur Lebensmittel sondern entwickeln Konzepte in den Bereichen Bildung und Gesundheit z.B. tiergestützte Psychotherapie am Bauernhof; Bauernhofkindergarten; stationäre Pflegeeinrichtung am Bauernhof; Integration für Menschen mit Behinderung; Wohnen im Alter am Hof etc. etc.

Green Care Österreich, Wien 1060, Gumpendorferstrasse 15. www.greencare-oe.at

Weitere Projekte:

Samurai Programm für Senioren: Hände sind das wichtigste Werkzeug in der Therapie und die Methode ermöglicht es sowohl aktiven SeniorInnen als auch an Demenz Erkrankten und bettlägrigen Bewohnern sich gegenseitig etwas Gutes zu tun.

senioren@samurai-shiatsu.at oder austria@samurai-shiatsu.at

LebensErfahren, Abenteuer Pension- Gemeinsam neue Wege gehen

September bis November 2016 in Wien. Ein Gratis- Angebot der Stadt Wien und der Wiener Gesundheitsförderung

nz12@wiener.hilfswerk.at oder 01 667 07 78

Fidelio

eine “Initiative für Gesundheit und Lebensfreude ab 50″ der Salzburger Gebietskrankenkasse in Kooperation mit der Universität Salzburg. Kostenfreie Vorträge und Kurse über Wohlbefinden und Glück, Gesunden Schlaf, Richtige Ernährung, Gedächtnistraining, Mobel und beweglich etc. etc.

www.sgkk.at/fidelio oder fidelio@sgkk.at

 

 

 

Leave a Reply