Dem Alter begegnen

Mai 16th, 2015 | No Comments | Posted in Featured Articles, Ideen

Ist Alter(n) eine Zumutung für Mensch und Gesellschaft, der man am besten mit Wegsehen und Ignoranz begegnet?
Nein, sagen die InitiatorInnen der Initiative „Dem Alter begegnen.“ Ihr Ziel ist es, Alter und Altern neu zu denken: radikal, vorurteilsfrei und zukunftsorientiert. Der Think Tank lädt zu diesem Zweck Persönlichkeiten aus den Bereichen Gesellschaft, Kunst und Kultur, Wirtschaft, Technik, Wissenschaft und Spiritualität zu Nachdenkprozessen und Gesprächen ein. Das zweite Treffen fand zwischen 23.-25. April 2015 im Hotel 3 Hasen in Mariazell, Steiermark, statt. Das Motto der Tagung „Unterwegs sein.“
Thesen im Bereich Natur, Wissenschaft, Wirtschaft, Spiritualität.

NATUR:

Altern ist für die Biologie ein großes Rätsel sagte der Impulsgeber im Bereich Natur, Leander Khil, Ornithologe und Naturfotograph:
„Die Natur kann ein Vorbild im Prozess des Alterns sein, indem sie uns hilft, die Intuition nicht zu vergessen.
Es gibt Lebewesen, die mit dem Alter stärker werden wie z.B. Meeresschildkröten.
Für Zugvögel ist die Orientierung höchst wichtig. Einigen Vogelarten ist die Orientierung angeboren, anderen, wie z.B. Kraniche, Störche, Schwäne, nicht. Sie brauchen die Alttiere, die die Richtung und die jeweiligen Rastplätze kennen und an die Jungtiere weitergeben.
WISSENSCHAFT

Optimismus ist gut, aber zuviel  Optimismus ist nicht besser, im Gegenteil meinte der Impulsgeber im Bereich Wissenschaft, DR. Cornel Binder-Kriegelstein, Klinischer- und Gesundheits-Psychologe. U.a. verantwortlich für 2 Pflegeheime in Niederösterreich.
Ihm geht es um die alternde Seele und um die Frage: wie geht der Mensch  mit seelischen Störungen, mit Beschwerlichkeiten im Alter mit Erkrankungen wie Depression um. Welche Rolle spielt die Selbstheilung. Was lässt sich gegen Demenz tun? Seine Erfahrungen: Einsamkeit verdoppelt das Demenzrisiko. Im Gegensatz zu Routinetätigkeiten, exzessiven TV-Konsum und Lesen können aktive Vereinsarbeit, Reisen, Tätigkeiten wie Bridge als Prophylaxe angesehn werden. Am Wichtigsten ist es, Wünsche und Realität zu “harmonisieren.

“Wichtig ist ein produktiver Umgang mit dem Alter, der realistisch ist. Anregung: „ Leben Sie Ihr Leben bewusst und gestalten Sie es so, wie es für Sie befriedigend ist- mit allen aktuellen Herausforderungen- ABER nicht zu optimistisch.

WIRTSCHAFT:

“Wirtschaft ist für alle da”so lautet der erste der 12 Thesen, die Prof. Ing. Peter Kotauczek, Verband österreichischer Software Industrie,  aufgestellt hat. Seine BEKO Holding hat u.a. den Spazierschweber produziert , ein leichter e-Roller mit Einkaufstasche. Er selbst sieht sich als Angehöriger der Gruppe der Hochbetagten und hat 12 Thesen eines Hochbetagten entwickelt:
These 1:  Wirtschaft ist für alle da, auch für die Alten.
These 2: Wir sollten endlich akzeptieren, dass alte Menschen nicht dümmer sind, nur weil sie alt sind. Der alte Fuchs fängt auch noch manche Gans.
These 3: Je älter ich werde, desto mehr muss ich selbst für meine Beschäftigung sorgen. Dabei möchte ich  wenigstens nicht behindert werden. Die Alten könnten sich zu Selbsthilfe Netzwerken verbünden.
These 4: Wenn ich nicht um Hilfe bitte, will ich nicht ständig „beholfen“ werden. Bitte keinen Nanny-Staat.
These 5: Selbstermächtigung ist im Alter lebensnotwendig. Denn, niemand will  sonst von den Alten etwas- außer deren Geld.
These 6: Die Alterspension ist auch dazu da, im Alter das tun zu können, was mich interessiert, ohne sofort finanziell ausgegrenzt zu werden.Ich kann Projekte ausprobieren, die sich Jüngere nicht zutrauen.
These 7: Die neuen Technologien machen es möglich, im Alter Dinge zu lernen und zu tun, die vorher nicht in meiner Reichweite lagen. Peter Kotauczek selbst hört sich regelmäßig Vorlesungen eines Professors an einer kalifornischen Universität an.
These 8: Ich lerne mit zunehmendem Alter mit der wachsenden „Unsichtbarkeit“ produktiv und kreativ umzugehen.
These 9 : Technische Hilfsmittel sind dazu da, ausprobiert und ungeniert genutzt zu werden. Bleibe neugierig!
These 10: Manche Dinge dauern im Alter etwas länger, das ist normal. Auch Junge stehen öfter auf der Leitung.
These 11: Wenn Du wirklich in troubles kommst, zögere nicht, um Hilfe zu bitten.
These 12:  Denk daran, Du hast nichts zu verlieren- außer Deinen Humor.

GEIST und SPIRITUALITÄT:

“Ich traue mich, zu leben.” sagte der Impulsgeber im Bereich Spiritualität  Abt em. Otto Strohmaier, der über 30 Jahre das Benediktinerstift St. Lambrecht, Steiermark,  leitete. Er ist seit zwei Jahren nicht mehr als Abt tätig und  gibt zu, dass es nicht leicht ist, sich neu zu orientieren. Aber es geht darum, wach und aufmerksam zu leben, das Loslassen zu lernen, zu lernen, dass nach dem Loslassen, nach dem Abschied immer etwas kommt, so wie nach dem Schlaf ein neuer Tag beginnt und jeder neue Tag  ein reines Geschenk ist. Älterwerdende müssen lernen, sich selber loszulassen und dabei nicht bitter oder wehleidig zu werden, nicht zu klagen sondern den Prozess zulassen. Ja es tut weh, dass wir vieles nicht mehr können, aber wir sollten deshalb nicht am Leid hängen. Er selbst hat einen kleinen Garten und pflanzt immer wieder Bäume, Schneeglöckchen, Lungenkraut.“ Ich habe den Eindruck, das kann ich und das macht mir eine wahnsinnige Freude.“

www.demalterbegegnen.at
„Dem Alter begegnen! Band I, Freya Verlag.

Leave a Reply