Österreich ein Paradies für Ältere?

Januar 31st, 2015 | No Comments | Posted in Europa, Featured Articles, News

” Österreich wäre sicher einer meiner bevorzugten Orte, um meinen Lebensabend zu verbringen“ stellte die UNO Expertin Kornfeld-Matte, Chile, nach ihrem zehntägigen offiziellen Besuch fest. Österreich rangiert auf Platz 2 des Global AgeWatch Index im Bereich eines förderlichen Umfelds für ältere Menschen.

Rosa Kornfeld-Matte 

wurde im Mai 2014 vom Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen als erste unabhängige Expertin damit beauftragt, die Förderung und den Schutz der Rechte älterer Menschen weltweit zu überwachen, Bericht zu erstatten und beratend in diesem Bereich tätig zu werden. In ihrer Tätigkeit als Direktorin des chilenischen Nationalen Dienstes für ältere Menschen hat sie unter anderem die nationale Politik des Alterns mitentwickelt und umgesetzt.

Alte Menschen sind wichtig

 

Die ältere Bevölkerung, so Kornfeld-Matte, stelle in Österreich ein wichtiges Bevölkerungssegment dar. „Österreich hat eine lange Tradition der Politiksetzung und einen starken Rechtsrahmen zur Förderung und zum Schutz der Rechte älterer Menschen.“ Die Expertin war insbesondere von der Anzahl der durch die öffentliche Hand in Auftrag gegebenen Studien zur Untersuchung der Lage und Bedürfnisse älterer Menschen beeindruckt, vom Bundesplan für Seniorinnen und Senioren, der 2012 verabschiedet wurde und ebenso vom Seniorenrat, der gesetzlichen Interessensvertretung von Seniorinnen und Senioren in Österreich, der die gleichen Rechte wie die gesetzlichen Interessensvertretungen der Arbeitnehmer, Unternehmer und Landwirte hat.

Verbesserungen sind erwünscht

Bei der Pressekonferenz am Freitag den 30.1. 2015 im Vienna International Center kam allerdings auch zu Sprache, woran es in Österreich noch fehlt. Der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum sollte mehr Aufmerksamkeit gegeben werden, es gebe zu wenig Geriater als Spezialisten für die Erkrankungen Älterer, die Koordination zwischen Bund und Ländern könnte verbessert werden. Rosa Kornfeld-Matte sprach ebenso die Tatsache an, dass es in einigen Heimen zu wenig Pflegepersonal gebe, wodurch die Nacht schon um 16h beginnt und Demenzkranke mit Beruhigungsmittel ruhig gestellt werden.  Ein weiteres Problem  ist die Mehrfachmedikation. Zu viele ältere Menschen werden mit zu vielen Medikamenten behandelt. “Eine bundesweite Strategie für potenziell unangemessene Medikamentenverordnungen ist erforderlich, um das Recht auf Gesundheit älterer Menschen in Österreich zu gewährleisten”, sagte Frau Kornfeld-Matte. “Ich fordere die Behörden auch dazu auf, den Anspruch auf Palliativpflege rechtlich zu verankern, um sicherzustellen, dass ältere Menschen die letzten Jahre ihres Lebens in Würde und ohne unnötiges Leiden verbringen können.”

Altersdiskriminierung

Weiters stellte die UNO Expertin fest, dass die Diskriminierung beim Zugang zu Einrichtungen und Dienstleistungen Anlass zur Sorge gibt. Finanzdienstleistungen, wie etwa Kredite oder Hypotheken, oder Versicherungen sind für ältere Menschen oft nicht verfügbar oder zu teuer aufgrund der unsachgemäßen Verwendung des Alterskriteriums, einschließlich zur Risikobestimmung.

Altersarmut

Rund 15 Prozent der älteren Menschen in Österreich sind von Armut bedroht, wobei das Risiko für Frauen höher ist als für Männer. “Dies zeigt, dass Armut und soziale Ausgrenzung im Alter auch Folge der Benachteiligung und Diskriminierung in frühen Phasen des Lebens sind und dass Maßnahmen lange bevor jemand seinen 65. Geburtstag feiert ansetzen müssen, da dies unter anderem für die verfügbaren Mittel im Alter ausschlaggebend ist”, sagte Frau Kornfeld-Matte. Sie stellte in diesem Zusammenhang auch fest, dass mehr getan werden sollte, um Leute davon abzuhalten in Frühpension zu gehen.

Anspruch auf Pflege

Österreich war das erste Land in Europa, das im Jahr 1993 das steuerfinanzierte Pflegegeld flächendeckend zur Finanzierung der Langzeitpflege eingeführt hat. Die UN-Expertin begrüßte den Menschenrechtsansatz im Bereich der Langzeitpflege insbesondere die Einführung des Pflegegeldes als sozialversicherungsrechtlichen und somit einklagbaren Anspruch in Österreich.
“Diese Sozialleistung ist maßgeblich dafür, dass ältere Menschen so lange wie möglich in ihren vier Wänden bleiben und ein unabhängiges Leben führen können”, sagte sie. “Die Sicherstellung der Qualität der Betreuungsleistungen der häuslichen Pflege ist eine große Herausforderung. Während Hausbesuche von diplomiertem Pflegepersonal begrüßenswert sind, sind weitere Maßnahmen erforderlich, um den Schutz älterer Menschen vor physischer und psychischer Gewalt und vor erniedrigender Behandlung und Vernachlässigung zu verbessern.

Alt werden am besten zu Hause

Die Expertin lobte Österreich für die große Vielfalt an alternativen Wohnformen für ältere Menschen, etwa Senioren-WGs, Mehrgenerationenhäuser oder Wohngemeinschaften. Sie begrüßte auch die Steuererleichterungen und Subventionen zur Förderung von barrierefreiem und angemessenem Wohnen für ältere Menschen, wies aber darauf hin, dass weitere Anstrengungen erforderlich seien, um sicherzustellen, dass ältere Menschen in ihren Häusern bleiben und ihr Recht auf angemessenes Wohnen in vollem Umfang wahrnehmen können.

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