Lesebrille

Dezember 12th, 2013 | No Comments | Posted in Featured Articles, Kunst und Kultur, Literatur, News

Fundstücke von der Buch Wien, November 2013, zum Thema Älterwerden.
Was hätte in meinem Leben sein können und was geschah tatsächlich? Fragen, die sich der 79 jährige schwedische Autor Per Olov Enquist in „Das Buch der Gleichnisse”stellt. Im Mittelpunkt steht der Rückblick auf das Leben, das Innehalten im Bewusstsein des eigenen Alters,  die Unvermeidlichkeit des Todes und die Reflexion über den Sinn des Lebens.
Per Olov Enquist:“ Das Buch der Gleichnisse.“, Hanser Verlag.

Jung &Gierig – Alt & Müde?
Auf der einen Seite die Nachkriegsgeneration auf der anderen Seite die Smart-phone Generation. In vielen Betrieben treffen beide Gruppen hart aufeinander. Die jungen, die schon früh in Führungspositionen kommen, die Älteren, denen eine längere Arbeitszeit verordnet wird.
Elisa Aichinger, Tina Deutsch, Helmut Friedrichsmeier (Hg.) und Felix Josef(Hg.) haben sich die Situation in einigen Unternehmen angesehen und geben konkrete Handlungsempfehlungen in ihrem Buch „ Jung & Gierig-Alt & Müde?“, facultas.wuv.

Alt und grantich ?
Kann aber muss nicht sein.

„Alt und grantich“ nennt Edith Haider ihre Mundartgedichte, erschienen in der Edition Roesner. Kostprobe:
“Am Ringlschbüü
Mia sizzn olle
am Ringlschbüü
und des Lem
fliagt aun uns vuabei.
Und da Ringlschbüümau
ged rundumadum,
schaud auf de Ua,
und wauns Zeid is
fia di oda mi,
miass ma hoid ausschdeign.”

Die 1931 geborene Autorin war zwar schon in ihrer Jugend literarisch tätig, der Durchbruch kam aber erst nach der Pensionierung.

“80 plus”

Der 5 Jahre ältere Autor Heinrich Eggerth bekam für seine literarischen Tätigkeiten zahlreiche Preise des Landes Niederösterreich.  In dem Band „80 plus. Prosa und Lyrik “beschreibt er mit klaren Worten wie es sich anfühlt, 80 und älter zu werden und zu sein.

“Die Augen gehen einem auf für das, was man jetzt sieht. Die Welt wird kleiner, glaubt man, aber in Wahrheit wird der Garten immer größer, die nächste Umgebung interessanter. Dem Tanz der Eintagsfliegen im Sonnenuntergangslicht könnte man immerfort zuschauen. Ewig ging man nur vorüber an allem, jetzt bleibt man stehen.” Erschienen in der Edition Roesner.

Krisen, Schatten und Zyklamen

Die Lyrikerin Elfriede Haslehner schreibt auch Prosa, die sich durch genaue Beobachtung, klare Worte, Kritik an der Gesellschaft aber auch Selbstkritik auszeichnet. Es ist ,wie es im Untertitel heißt, eine realistische aber auch utopische und satirische Prosa. Zu erzählen hat die 1933 geborene Elfriede Haslehner viel, einiges auch aus dem eigenen Leben: Krieg und Vertreibung aus Mähren, der Vater  war Soldat im 1. Weltkrieg, Auswanderung nach Wien und später in die Steiermark. Die Hausfrau und Mutter von 3 Kindern wollte immer mehr als Zufriedenheit in KKK-Kinder, Küche, Kirche, finden. Also begann sie relativ spät ein neues Leben als Sozialarbeiterin, Studentin der Philosophie, Mitarbeiterin bei der autonomen Frauenbewegung AUF, Mitbegründerin des Frauenverlages, Engagement bei der Errichtung eines Ökodorfes.
„Elfriede Haslehner, bisher vor allem als Lyrikerin bekannt, zeigt sich mit diesem Band als Erzählerin von Format“ heißt es im Verlagsprogramm der Edition Roesner.Und das ist keineswegs übertrieben.

VERGESSEN SPIELEN
Ein junger Mann und eine alte Frau im Heim. Er arbeitet ehrenamtlich in dem Heim. Frau Erna verbringt dort ihr Leben.

Der 1980 geborene nö. Autor und Regisseur Herbert Eigner zeichnet auf, was er im Altenheim erlebt und verwandelt die Ereignisse und Dialoge in Prosa Miniaturen. Ein Dialog:

“Frau Erna sagt: Meine Tochter hat gemeint, ich soll mir vorstellen, ich bin hier auf Urlaub.“ Ihre Gesprächspartnerin Frau C. antwortet: „Von dort bin ich aber immer zurückgekommen.“

Vergessen spielen.Frau Erna im Altenheim
Herbert Eigner, St. Pölten Literaturedition NÖ, 2009.

 

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