Kunst, Insel der Stabilität

März 14th, 2013 | No Comments | Posted in Kunst und Kultur, News

Bei Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, bleibt das ästhetische Kunstempfinden erhalten.science ORF.at berichtet, dass Menschen auch im fortgeschrittenen Stadium einer Demenzerkrankung Landschaftsgemälde, Kunstportraits und Landschaftsfotos annähernd gleich bewerten wie Gesunde. Schlussfolgerung: das ästhetische Kunstempfinden scheint eine Art “Insel der Stabilität” in den um sich greifenden Beeinträchtigungen zu sein, denen Alzheimer-Patienten ausgesetzt sind.

science ORF.at berichtet über ein Projekt der Forschungsgruppe vom Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden der Uni Wien.  Es wurden PatientInnen untersucht, die unterschiedlich schwer an Alzheimer erkrankt waren. Diese bekamen Landschaften und Portraits vorgelegt.

Die überraschenden Ergebnisse: Sowohl bei den Landschaftsgemälden als auch den Kunst-Porträts und den Landschaftsfotos blieben die ästhetischen Vorlieben weitgehend stabil. Außerdem waren die Präferenzen der Patienten und der gesunden Kontrollgruppe annähernd gleich. Nach zwei Wochen kamen sie zu ähnlichen Urteilen wie in der ersten Testreihe, auch wenn sich die Alzheimer-Patienten nicht wirklich an die Bilder erinnern konnten.

Bei den Porträtfotos zeigte sich aber ein anderes Bild. Die Fotos der Gesichter wurden nach zwei Wochen ganz anders eingeschätzt. “Wir können nur vermuten, was das bedeutet. Es ist aber nicht auszuschließen, dass unsere ästhetische Betrachtung bei echten Gesichtern bzw. Fotos andere Prozesse umfasst als die ästhetische Betrachtung, die dem Kunstgenuss zugrunde liegt. Vielleicht ist es die Kategorie Kunst, deren ästhetischer Genuss auch bei Menschen mit Alzheimer-Erkrankung erhalten bleibt”, erklärte Helmut Leder von der Uni Wien.

In nachfolgenden Untersuchungen wollen die Wissenschaftler nun klären, ob die neuen Erkenntnisse therapeutisch von Nutzen sein könnten und die Lebensqualität von Patienten durch die Beschäftigung mit Kunst verbessert werden kann. “Die Studie zeigt aber auch ganz generell, dass unser Sinn für Ästhetik eine unabhängige, ganz eigene Form der Betrachtung darstellt”, resümiert der Wahrnehmungspsychologe. Science.ORF.at

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