Rose und Nessel

Februar 13th, 2013 | No Comments | Posted in 50+ medial, Featured Articles, News

Das Gebiß im Wasserglas, Omi am Rollator, Opa am Krückstock, beide auf der Parkbank sitzend und Tauben fütternd. Wir alle kennen diese Klischees. Die Frage ist: muss es sein? Die Antwort: nein, aber es ist immer noch so.

Was dagegen zu tun ist? Es kann zumindest die Aufmerksamkeit darauf gelenkt werden, dass derartige Stereotype über das Alter(n) in den Bereich antiquiert fallen- auch dann, wenn diese in Medien zu sehen sind, die von Jungen gemacht werden.

Senioren Rose und Senioren Nessel

Preise für eine positive aber auch auffallend negative Darstellung der älteren Generation in den österreichischen Medien wurden gestern im Parlament in Wien vergeben. Immer noch verwenden Medien die üblichen Klischees und traditionellen Altersbilder. Alte sind demnach insgesamt krank,arm,isoliert, gierig und fressen den Jungen die Zukunft weg. Nur allmählich setzt sich in der medialen Darstellung das Bild einer selbstbewussten Generation mit steigender Lebenserwartung durch, die sich sehr wohl ihrer Verantwortung bewusst ist und nicht nur nimmt sondern auch gibt. So sind 60% der Älteren ehrenamtlich tätig, sagt das Euro Barometer.

Der Österreichische Seniorenrat und der Österreichische Journalisten Club haben sich 2012  abermals entschlossen, Medienpreise in den Kategorien  Journalismus, Werbung und Bild auszuschreiben und eine Jury kam zu folgendem Ergebnis:

Die Senioren Nessel in der Kategorie Journalismus

geht an die Zeitung “Heute” für den Artikel “Nachbarn kann man sich nicht aussuchen”, in dem u.a. behauptet wird, es lebe sich neben einem Studenten besser als neben einer alten Frau. Der Jury gefiel es nicht, dass Oma und Studenten, Kinderwagen und Rollator als Kontrapunkte hingestellt werden.

Die Senioren  Rose in der Kategorie Journalismus

geht an die Zeitschrift “Profil” für den Artikel “Oldtimer Rallye”, in dem seriöse wissenschaftliche Informationen verarbeitet wurden.

Kategorie Unbelehrbar

Die unehrende Anerkennung in der Sonderkategorie Unbelehrbarkeit bekam die TV Information des ORF, weil diese – trotz mehrmaliger Hinweise- immer noch die üblichen Bildklischees verwendet, wenn über Pensionen, steigende Lebenserwartung etc. berichtet wird.

Die Senioren Nessel in der Kategorie Bild

bekam die Zeitschrift “Henri” für das Titelbild zum Schwerpunkt Thema “Der Preis des Alter(n)s.” Das Bild zeigt einen Steg,am Ende des Stegs einen Rollstuhl, in dem ein alter Mann sitzt, vor ihm die Wasserfläche und ein verhangener Horizont. Der Jury mißfiel, dass damit u.a.Einsamkeit, Hilflosigkeit, Tod suggeriert werde.

Der Chefredakteur von “Henri” war zumindest anwesend- im Gegensatz zu den anderen Nessel Preistägern.

Die Senioren Rose in der Kategorie Bild

ging an die Zeitschrift “Leben und Freude” für das Titelbild zum Artikel “Zu zweit durch den Frühling”. Es geht um Partnersuche im Internet und erzählt die Geschichte von zwei älteren Menschen, die einander im Internet kennengelernt haben und nun ein Liebespaar sind. Der Jury gefiel u.a., dass sich das Bild gegen das Vorurteil richte, das Internet sei nichts für ‘ Oma und Opa’.

Die Senioren Nessel in der Kategorie Werbung

bekam NIEMAND, denn es gab keine Nominierungen.

Die Senioren Rose in der Kategorie Werbung

wurde an die österreichische Apothekerkammer vergeben, weil sie helle, freundliche Bilder von älteren Menschen verwendet, die ja immerhin zu ihren treuesten KundInnen gehören.

Sonderfall vom ‘Oma Hertha”

Eigentlich wollte die Jury den Artikel  über Hertha W. positiv auszeichnen, in dem berichtet wird, dass ‘Oma Hertha’ einem Bankräuber die Maske vom Kopf gerissen hat. Dann entschloß man sich, den Preis direkt an Hertha W. zu geben. Die war aber leider verhindert.

FRAGE: wie sieht es eigentlich mit dem Klischee aus, dass ältere Frauen ständig als OMA bezeichnet werden?

 

 

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