Was würde ich tun, wenn….

Mai 9th, 2011 | No Comments | Posted in Europa, Featured Articles, News
“Was würde ich tun, wenn ich nur mehr ganz kurze Zeit zu leben hätte?”. Martin Sorge vom Mobilen Hospiz der Caritas stellt diese Frage in den Raum.
Dienstag 3. Mai 2011. ÖPIA Vorlesung zur alternden Gesellschaft: Über das Sterben darf gesprochen werden.
Fragen,die jede/n von uns betreffen:
Was ist mir in meinem Leben so wichtig, dass ich auf keinen Fall verzichten kann/möchte…
Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, was ist mir gelungen, was ist mir nicht so gelungen…..
Wo möchte ich sterben……
Wie möchte ich sterben…..
Wenn ich jetzt nur mehr eine ganz kurze Zeit zu leben hätte, was würde ich auf jeden Fall tun wollen, erledigen müssen……..
Die Antwort darauf: ES TUN, ES HEUTE TUN UND NICHT AUFSCHIEBEN
empfiehlt Martin Sorge, der seit 19 Jahren im Mobilen Hospiz der Caritas der Erzdiözese Wien tätig ist. Er betreut und begleitet schwerkranke, sterbende, trauernde Menschen.  Seine Erfahrungen mit Sterbenden und deren Angehörigen:
Grundbedürfnisse von Sterbenden sind:
Geborgenheit,
nicht leiden müssen,
Wahrhaftigkeit, Nicht den Starken spielen müssen,
die Chance,letzte Dinge zu regeln, d.h. etwas im Leben in Ordnung bringen, was man verhaut hat,
Vergebung bekommen und geben,
Selbstbestimmt sein –nur der Kranke weiß, was er will und braucht,
die Sinnfrage stellen dürfen … warum ich, warum jetzt….
In seiner langjährigen Praxis hat Martin Sorge maximal 4-5 kranke Menschen erlebt,die nach Euthanasie verlangt haben
Was die Angehörigen oft nicht wissen
Selbst wenn sie die/den Sterbende/n rund um die Uhr betreuen, kann es sein, dass diese/r gerade dann stirbt, wenn die Angehörigen kurz aus dem Zimmer gehen. Das zu wissen ist wichtig, damit diese keine Schuldgefühle aufkommen.
Es ist wichtig, der/dem Sterbenden die Treue zu halten, also nicht davonrennen sondern es aushalten und ausharren.
Wissenschaft und Sterben
Heute wird anders über das Sterben und den Tod gesprochen als noch vor 20 Jahren sagt  Ass.-Prof. Dr.Sabine Pleschberger  die seit über zehn Jahren in diesem Bereich forscht und u.a.unterrichtet sie im interdisziplinären MAS Studiengang Palliative Care an der -www.uni-klu.ac.at/pallorg.
Bahnbrechend war  1969 das Buch von Kübler-Ross, in dem diese forderte, dass die HelferInnen zuerst mal ihren eigenen Zugang zum Sterben erforschen müssen bevor sie in diesem Bereich beruflich arbeiten.
Anselm Strauss& Barney Glaser wiesen in ihrem Buch” Awareness of Dying” nach: je offener in einem Spital mit dem Thema Tod umgegangen wurde, desto offener warne ÄrztInnen und PflegerInnen, desto mehr Zeit hatten diese für die sterbenden PatientInnen.
Cicely Saunders, 1918-2005, hat das erste moderne Hospiz ins Leben gerufen, in London.  ”Ein Hospiz ist nicht bloß ein Gebäude, es bedeutet Einstellungen und Fähigkeiten“.
Die Wissenschaft interessiert sich derzeit für  den” turning point”,  also jenen Punkt an dem man erkennt,dass der Sterbeprozess einsetzt.

Leave a Reply