Bahn-fahren macht Spaß!?

Februar 18th, 2011 | No Comments | Posted in Europa, News

Einmal Wien Wolfenbüttel hin und zurück.Ein Erlebnisbericht.Natürlich hätte ich auch fliegen können. Warum also musste ich mit der Bahn Richtung Niedersachsen fahren. Selber schuld. Andererseits, was hätte ich sonst zu erzählen gehabt.

Abfahrt: Der Spaß beginnt

Donnerstag den 10.2.2011 stehe ich um 6h05 auf jenem Bahnsteig am Westbahnhof, von dem aus der Zug um 6h36 abfahren soll. Das Gleis ist leer, der Infostand nicht besetzt. Am Nebenbahnsteig blinkt konstant die Ansage“ VORSICHT, ZUG FÄHRT EIN“. Allerdings steht auf diesem Gleis bereits ein Zug.
Ich gehe, nein nicht zum Fahrkartenschalter sondern wie es jetzt heißt, ins Reisecenter einen Stock tiefer und frage:
„Wann kommt der Zug mit der Abfahrt 6h36“
„Der müsste schon da sein“
„Ist er aber nicht“
„Der kommt immer 20 Minuten vor der Abfahrt“.
„Er ist aber nicht da“.
Zurück  auf den Bahnsteig. Der Zug fährt ein.

Es ist sich halt nicht ausgegangen, da kamma nix machen!

Bedauerlicherweise stimmen die Angaben des  Wagenstandsanzeigers nicht mit der Realität überein. Das heißt, ich stehe an der Zugsspitze, aber der dort vorgesehene Wagon befindet sich am Zugsende. Ich gratuliere mir, dass ich nur zwei Tage unterwegs bin und nicht ein oder zwei schwere Koffer zurückschleppen muss.
Ich steige in den Wagon und bemerke, dass nahezu alle Sitzplätze entgegen der Fahrtrichtung angebracht sind.
Zum Glück hält sich ein Bahnbediensteter im Wagon auf.
„Entschuldigen Sie, dreht der Zug irgendwann einmal um?“
Eine blöde Frage, ich weiß.
Der Bahnbedienstete lächelt, bleibt aber höflich:
„Na, es geht immer gradaus“. Er deutet nach vorne.
„Aber die Sitze schauen alle in die Gegenrichtung“.
„Na ja, der Wagon hätt’ a vorn sein sollen“.
Pause.
Ich schaue fragend.
„Des is si wahrscheinli für die Kollegen nicht ausgangen“.
Aha.

Ist sich halt auch mit der Zeit nicht ausgangen

Danach keine bemerkenswerten Ereignisse außer dass wir bei der Ankunft in Braunschweig, wo ich nach Wolfenbüttel umsteigen muss, 30 Minuten Verspätung haben. Die Stimme im Lautsprecher bedauert dies. Mein Anschlusszug ist weg, der nächste geht erst in einer Stunde. Der Taxifahrer, der mich zum Bildungshaus nach Wolfenbüttel bringt, freut sich über die knapp 20 Euro für die kurze Fahrt.

Rückfahrt: Und noch mehr Reise Spaß ums Geld.

Warteraum.Nein,danke.

Nach der Tagung in Wolfenbüttel geht es am Freitag 11.2. wieder retour nach Wien.
Ich treffe rechtzeitig am Bahnhof von Wolfenbüttel ein, um den Zug nach Braunschweig, der um 19h 53 abfährt, zu erreichen.
Ein Fehler. Denn am Bahnhof von Wolfenbüttel gibt es keinen Warteraum.
Bei 3 Grad 15 Minuten auf einen Zug zu warten kann verdammt kalt sein, noch dazu wenn man/frau mehr oder weniger schutzlos dem eisigen Wind ausgeliefert ist
„Wieso gibt es hier kein Wartezimmer“ frage ich eine Frau neben mir.

„Das ist schon lange so. Gibt’s in vielen Bahnhöfen bei uns nicht mehr“.
Aha.

Regen sich die zahlenden KundInnen da nicht auf?
„Na ja“meint die Frau „ des is so“.
Sie pendelt täglich von Wolfenbüttel nach Braunschweig, wo sie als Krankenschwester arbeitet. Hat der Zug Verspätung, und das kommt häufig vor, ist der Bus weg. Der nächste fährt in einer Stunde. Nette Busfahrer warten bis ihre „Stamm Fahrgäste“ kommen.

Braunschweig. Der Erlebnisbahnhof bei Nacht.

 Ankunft in Braunschweig  um 20h04. Ich habe Zeit, denn der Zug nach München wird erst um 23h55 abfahren. Das wusste ich bei der Reisebuchung. Was ich nicht wusste, war, wie leer und verlassen ein Bahnhof um 23h sein kann, kannte ich doch nur die Bahnwerbung, in der es u.a. heißt:
“Bahnhöfe sind mehr als Orte zum Ein- und Aussteigen.
Zahlreiche Geschäfte und Gastronomieangebote laden zum Bummeln und Schlemmen ein. Für die Reiseplanung oder den spontanen Einkauf finden Sie alle Informationen über die Services rund ums Reisen sowie zu Geschäften und Gastronomie in Deutschlands größten Bahnhöfen”.

Wirklich? Und wo bitte hätte ich das in Braunschweig um 23h finden können?

Leergefegt abgesehen vom Subway in der Ecke und einem kleinen Imbisstand.

Selbstverständlich ist auch der Infostand der Bahn geschlossen, dafür versorgt die Computerstimme mit Infos:

„Achtung Bahnsteig 6.  Voraussichtliche Verspätung 45 Minuten“.

 Was heißt voraussichtlich. Zur Sicherheit gehe ich auf Bahnsteig 6.
Möchten Sie an so einem Ort um 23h30 eine Stunde warten? 

Weit und breit kein Mensch. Setze ich mich in das geheizte Wartezimmer, bin ich jedem ausgeliefert, der hereinkommt. Was auch immer passiert, es wird mich niemand hören oder sehen, denn da ist niemand.
Kurz nach Mitternacht wird der Imbisstand in derBahnhofshalle geschlossen. Der Verkäufer und zwei seiner Gäste gehen. Jetzt bin ich auch hier, abgesehen von einer ebenfalls wartenden Frau, alleine.

Ein Betrunkener torkelt in die Bahnhofshalle. Warum nicht, wer sollte ihn aufhalten.
Ein Paar durchquert die Halle. Sie und er schreien mehrmals:„Hallo Irmi wo bist Du“ und lachen sich darüber halb tot, weil klar ist, dass es hier keine Irmi gibt.
Nachdem ausgiebigst gebrüllt wurde, küsst man sich. Das beruhigt mich.
Es hätte ja auch ein Paar hereinkommen können, das auf der Suche nach einem iphone,  nach Geld oder einfach nur Zoff  ist. Um Hilfe schreien oder davonrennen würde nichts bringen, denn erstens ist ,wie gesagt, kein Mensch im Bahnhof und zweitens ist auch vor dem Bahnhof  menschenleeres Terrain.
Die Computerstimme informiert inzwischen, dass der Zug wegen eines Triebwerkschadens Verspätung hat.

Europa erleben bei Nacht

Um 0h40 fährt der Zug ein.
Ich zeige meine Reservierung für einen Liegeplatz vor. Bedauerlicherweise liegt schon jemand in diesem Bett.  Die Zugbegleiter sind etwas irritiert. Ich auch. Wir marschieren zwei, drei Wagons auf und ab, aber alles ist ausgebucht. Endlich findet sich ein Abteil, in dem, laut Plan, noch ein Bett frei sein müsste. Die Abteiltüre ist von innen geschlossen. Logisch, wenn man die Berichte über Raubüberfälle in Nachtzügen kennt. Das Zugpersonal knallt mit den metallenen Schlüsseln mehrmals an die Abteilwand. Endlich öffnet sich die Türe, ich werde ins Abteil geschoben. Naturgemäß ist es stockdunkel. Ich erkenne unten rechts ein freies Bett, bedauerlicherweise ist es nicht gemacht.

Zeit ist etwas Relatives.Verspätungen auch?

„Wecken Sie uns vor München?“ habe ich noch vorher den Zugbegleiter gefragt.
„Ja wir wecken alle“.
Ich erwache um 7h 30, springe in Panik auf. Der Zug hätte um 7h04 bereits in München sein sollen. Wo bin ich, was ist los. Beruhigende Auskunft des Zugbegleiters:
„Unser Zug hat 2,5 Stunden Verspätung. Wir sind nicht einmal noch in Augsburg“.
Meine Mitreisenden im Abteil, eine Frau mit zwei Kindern, sind verzweifelt.
Sie wollen nach Österreich zum Skifahren. Wegen der zweieinhalbstündigen Verspätung des Autoreisezuges Berlin-München werden sie nun in genau jenen Stau bei der Ausfahrt von München kommen, den sie vermeiden wollten. Was wiederum bedeutet, mit dem Skifahren an diesem Nachmittag wird es nichts. Der erste Urlaubstag ist also im Eimer.

Lösung.Anregung von Fahr “gästen”?

Generationenübergreifende Erkenntnis im Abteil: Zieht doch dem zuständigen Management für jede Minute Verspätung ein paar Euros ab, dann bräuchten wir sicher nicht die Fahrgastrechte Formulare auszufüllen, die das Zugspersonal verteilt,damit wir –vielleicht – einen Teil der Fahrtkosten erstattet bekommen.

Übrigens: Die Briefmarke, um die Formulare nach Frankfurt zu schicken, muss ich bezahlen !!!!!!.
Da macht Reisen mit der Bahn doch echt Spaß oder?

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