Doch keine SeniorInnenlawine

September 17th, 2010 | No Comments | Posted in News, Wissenschaft und Forschung

Wien/Laxenburg/Stony Brook . Eine neue Studie, die in der Zeitschrift "Science" publiziert wurde, zeigt, dass irreführende Daten, die von verschiedenen statistischen Ämtern sowie der UNO stammen, zu folgender falschen These geführt

haben:

Die Alten belasten die Sozialsysteme

falsche These durch falsche Daten

Warum?

Weil die Daten ausschließlich auf dem biologischen Lebensalter basieren und Menschen spätestens dann als alt deklarieren, wenn sie das 65. Lebensjahr erreicht haben.

Nicht berücksichtigt wurde dabei bisher die tatsächliche Erwerbsunfähigkeit in Beziehung zur steigenden Lebenserwartung.

Das zeigt eine Studie von Warren Sanderson, Stony Brook University (USA) und Internationales Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA), Laxenburg, und Sergei Scherbov, Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und IIASA, in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift „Science“ (10.Septmber 2010).

 Herausforderung an die DemographInnen

weil sich die Bedeutung des Lebensalters ändert

Beispiel: Westeuropa

Um 1800 erreichten weniger als 25 Prozent der Männer das 60. Lebensjahr 

2010 werden über 90 Prozent der Männer 60 Jahre alt.

Ein Mensch, der heute 60 Jahre alt ist, wird als Person mittleren Alters angesehen; im Jahre 1800 gehörten die 60-Jährigen bereits zur alten Bevölkerung.

Das Problem mit dem "Altersabhängigkeitsquotient"(OADR)

 Er setzt die Anzahl der Menschen über 65 in Beziehung zur Anzahl der berufstätigen

Menschen. Er definiert auf diese Weise die finanzielle Belastung, die auf die Gesellschaft durch den Unterhalt der älteren Generation zukommt

Dieser "Altersabhängigkeitsquotien" hat kontinuierlich zugenommen.

Die falsche Schlußfolgerung daraus: Zunahme der Belastung der Pensionssysteme

Warum falsch?:

weil die Menschen länger leben und jemand, der das 65. Lebensjahr erreicht hat, keine alte Person ist.

In den USA liegt das reguläre Pensionsalter bei 66 Jahren, es ist vorgesehen dieses auf 67 Jahre anzuheben, um das Sozialsystem aufrecht zu erhalten.

Deutschland, England und andere Ländern sehen ebenfalls vor, das Pensionsalter anzuheben.

Aber:

Je stärker das reguläre Pensionsalter angehoben wird, desto verzerrter stellt der „old-age dependency ratio“ die finanzielle Belastung der Pensionssysteme dar.

 Falsche These: Alte kosten das Gesundheitssystemzu viel.

Eine ähnliche Verzerrung entsteht, wenn politische Entscheidungsträger den „old-age dependency ratio" als Indikator für die Belastung des Gesundheitssystems durch die Alterung der Bevölkerung verwenden.

Warum?

Die meisten dementsprechenden Kosten treten in den letzten Lebensjahren auf und verschieben sich folglich mit der steigenden Lebenserwartung.

 Wichtig wäre die tatsächliche Belastung durch Erwerbsunfähigkeit zu messen.
 

Warum?

Bisher ging man davon aus, dass alle über 65 jährigen abhängig von der noch arbeitenden Bevölkerung sind.

Das ist falsch, weil:

viele Menschen, die älter als 65 Jahre sind, nicht erwerbsunfähig sind und folglich auch nicht der finanziellen Hilfe anderer bedürfen;

im Gegenteil, häufig sind sie fähig, andere zu unterstützen. Andererseits sind einige Menschen unter 65 Jahren arbeitsunfähig und benötigen Unterstützung.

Neue Bemessung: Es geht um Abhängigkeitsverhältnisse

Im aktuellen „Science“-Artikel stellen die Autoren eine neue Methode vor, Abhängigkeitsverhältnisse zu messen, die die Beziehung zwischen denen, die Hilfe benötigen und denjenigen, die diese geben können, berücksichtigen.

Sie wird „adult disability dependency ratio“ (ADDR) genannt.

Die Studie zeigt, dass sich die Geschwindigkeit des Alterungsprozesses bei Verwendung der ADDR verglichen mit der konventionellen „old age dependency ratio“ um vier Fünftel reduziert.

 
Erkenntnis:

 Der Alterungsprozeß der Gesellschaft stellt sich weit weniger dramatisch dar

wenn die gestiegene Lebenserwartung und in diesem Zusammenhang die in Gesundheit verbrachten Lebensjahre berücksichtigt werden, als wenn die implizite Annahme gemacht wird, dass Verbesserungen im Gesundheitsbereich plötzlich zum Stillstand kommen.

 Kontakt:
Warren Sanderson

Stony Brook University (USA) und Internationales Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA), Laxenburg

E-mail: Warren.Sanderson@stonybrook.edu

Skype:wsanderson_work

Leave a Reply