Jetzt bin ich nur noch ich

August 11th, 2009 | No Comments | Posted in Lebensmodelle, News

Taekwon Do auch für Menschen über 60.Ein Selbsterfahrungsbericht von Helene Gattereder.Classik Taekwon Do wird seit mehr als 2000 Jahren

prakzitiert . Ziel ist die Selbstüberwindung als Basis zum harmonischen Verhältnis zwischen sich selbst und dem Universum, dem Ursprung.

Tae – Fuß     Kwon – Faust -  Do – Kopf, Geist

Vor der Stunde

Die Schuhe stehen alle schön aufgereiht an der Wand, ( hat der Großmeister wieder einmal über die Schlampigkeit geschimpft und gedroht, alle nicht ordentlich Aufgereihten auf die Straße zu werfen?). „Schuhe ausziehen“ steht ganz groß auf dem Zettel zum Clubraum und es gibt niemand, der sich nicht daran hält. Mit dem Staub an den  Schuhen würde man auch die negativen Strahlen der Menschen, die sich mit dem Staub der Straße binden, in die Räume tragen. Ein Argument, das mir sehr gut gefällt und einleuchtet.

Drinnen und Draussen

Auch ich lass meinen Kummer mit den Schuhen draußen. Umziehen, Hände und Füße noch schnell waschen, (trainiert wird barfuß), in den Dobok schlüpfen, den Gürtel sorgfältig binden und schon bin ich mit den Gedanken im Dojang, dem  Übungsraum. Kurzes Verneigen vor dem Saal und den anderen schon Anwesenden in dem großen, hellen, sonnendurchfluteten Raum. Alles strahlt Ruhe aus, keine Hektik.

Der Großmeister huscht herein,

alles wird ruhig, kein Wort wird mehr gesprochen. Je nach Anwesenheitsanzahl aufstellen in Dreier  – oder Viererreihen. Jetzt beginnen die Auflockerungsübungen, gezählt wird auf koreanisch von eins bis zehn. Dann kommt der Nächste dran. Und immer auf den Atem achten. „Zähne zu, Mund zu, immer durch die Nase atmen“. Wirbelsäule gerade, stolz sein und immer auf den Nachbar aufpassen. Ja keinen Körperkontakt, und die Gedanken nur ja nirgends wo anders hinlassen, sonst stehst Du gleich in der verkehrten Richtung in der Reihe.

Ballett von Kopf, Faust und Füssen

Die Abfolge mancher Bewegungen lassen mich an die Choreographie eines Balletts denken. Und es ist doch ein Kampfsport – immer auf Verteidigung ausgerichtet.
Alles was im Taekwon-Do trainiert wird ist Selbstverteidigung, Abwehrtechnik, innere Stärke und ein gesundes Selbstvertrauen.

Arthrose – nein danke!!

Ich werde immer leichter und meine von Arthrose gebeutelten Gelenke scheinen vergessen zu haben dass diese Bewegungen eigentlich außerhalb ihres Bereiches liegen. Die sind nicht wiederzuerkennen. Ich springe, (ganz wichtig gegen Osteoporose), ich drehe mich und versuche gleichzeitig die dazu gehörenden Schritt – und Handbewegungen richtig (oh je) zu machen. Und jetzt bin ich nur noch Ich. Alles in mir ist leer, leicht, ich denke nur noch an den genauen Ablauf der nächsten Übung und wenn sie nicht gelingt; ich habe ja Zeit  – Taekwon Do kann man bis 100 Jahre und mehr machen (hat der Großmeister gesagt). Na gut, schau´n wir halt, ich erzähl´s dann bestimmt weiter.

Kiap- der Schrei

Ans kiap muß ich mich erst gewöhnen. Der Taekwon-do Schrei, der mir hilft mich zu öffnen, mich zu befreien von Angst, Kummer und Streß. Aber ich kann auch einmal meiner Freude, worüber auch immer, freien Lauf lassen. An keinem Ort der Welt kann ich so frei und laut und aus vollem Herzen schreien. Das können wir „zivilisierten“ Menschen alle gar nicht mehr.
Das ist nur mehr ein Privileg der Kinder, aber auch das wird ihnen in unserer Umwelt Schritt für Schritt abgewöhnt. Und es ist es doch ein unglaublich befreiender Augenblick.

Der Atem, die Stille

Nach einer Stunde Drehen, Blocken, Springen, Stoßen (mit Hand und Fuß), Fäuste ballen (macht arthrotische Finger wieder gelenkig!), Konzentration auf Atem, Haltung und den Ablauf der Übungen sitz ich am Boden, lass meinen Atem konzentriert in den Unterbauch fließen und genieße diesen meditativen Augenblick.
In dieser ganzen Stunde wird übrigens kein Wort gesprochen und nur die Kommandos des Trainers sind zu hören.

Begonnen hat aber alles erst

mit einer Reise nach Russland, wo ich am Schiff eine begeisterte Taekwon – do Anhängerin kennenlernte. Die hatte lange mit meiner Skepsis zu kämpfen (stoßen, springen, in meinem Alter!). Heute bin ich ihr immer noch dankbar, dass sie mich in diese Welt mitgenommen hat.

Weitermachen bis 100

Ich mache einen Sport in dem mein Körper mein Gerät ist, brauche nur mich und den Tobuk und gehe  schon fast 6 Jahre regelmäßig zum Training.
Ach ja. Ich bin 67 Jahre alt und mein Ziel ist es, trotz meiner körperlichen Einschränkung einmal den Bruchtest (das Zerschlagen von Brettern mit der bloßen Hand) zu schaffen. Ich weiß, dass ich das machen werde.

Wien:
Son Jong – Ho Taekwon Do Club Wien
Gunoldstraße 81-2
1190 Wien
Tel.: 01 36 70 542

und auch im Internet unter    Son Jong Ho Classic Taekwon Do Federation

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